Kultur: Hans die Geige richtet den Blick nach vorn
Seit 1975 Berufsmusiker
„Dieses ewige Abfeiern der alten Ostrock-Titel ist, ehrlich gesagt, gar nicht mein Ding“, sagt der Mann, der mit seiner Geige seit 1969 auf der Bühne steht und musikalische Spuren in der DDR-Rockszene hinterlassen hat. Zu Anfang tat er dies in verschiedenen „Beatgruppen“, ab 1975 als Berufsmusiker mit der Sieghard-Schubert-Formation (später Schubert-Band), mit Report, dem Bluesmusiker Stefan Diestelmann, mit Lift und Magdeburg. Seine Geige und seine Stimme prägten den Sound vieler Titel. „Ob auf dem Riesensampler Titel dabei sind, an denen ich mitgewirkt habe?“, Hans Wintoch, so sein bürgerlicher Name, winkt ab: „Keine Ahnung. Es gibt doch schon so viele Ost-Rock-Alben! Ich fände es besser, wenn die Musiker und Hörer auch im Osten mehr in die Zukunft schauen würden. Es gibt doch auch neues Material, die Kreativität ist doch nicht mit der DDR gestorben.“
Hans die Geige hat seit 1982 seine Solokarriere vorangetrieben. Eine Pause wegen der Wende oder einer Bandauflösung kennt er nicht. 14 Soloplatten hat er herausgebracht, an 20 Platten mitgewirkt. „Ich wollte eigentlich nie wieder eine Band, das hat mich immer genervt“, bekennt er. Aber nun kam der frühere Drummer der Puhdys, Klaus Scharfschwerdt, auf ihn zu und holte noch die Cellistin Sylvia Eulitz, die bei Axel Prahl in der Band spielt, und den Gitarristen Thomas Glatzer (Bell Book and Candle) hinzu. Herausgekommen ist die Band mit Namen „Scharfschwerdts Neuland“, weil sie alle Neuland betreten.
Harter Rock, fast Metal
Stilistisch spielen die vier einen harten Rock, nahe am Heavy Metal. Seit zwei Jahren probten sie gemeinsam und produzierten endlich eine CD, die im September erschien: „Made in Europe“ heißt sie, weil, so Hans Wintoch, die deutschen Texte wie die Musik inhaltlich weit über Berlin und die Grenzen Deutschlands hinausgehen. Die Texte hat Hanno Bruhn, der einstige Bassist von Mungo Jerry, geschrieben. Gemischt hat die Scheibe der Tontechniker von Knorkator, gemastert André Kunze vom Enterprise-Studio. Über den Buschfunk-Versand wird sie vertrieben.
Jetzt bereiten Hans Wintoch und seine Bandkollegen das erste öffentliche Konzert von Scharfschwerdts Neuland vor: Am 20. Dezember solle es im Kesselhaus der Kulturbrauerei steigen. Zu erwarten sind "Titel mit Charakter und Wums“, wie Wintochs Frau Dani es auf den Punkt bringt. So zum Beispiel „Was dann? Was ist, wenn Kälte, Egoismus und Herzlosigkeit die Welt regieren?“. Man muss nicht ständig zurückschauen, sagt Hans die Geige. Gegenwart und Zukunft bieten dem Kreativen Themen genug.
Konzertpremiere in der Kulturbrauerei
Scharfschwerdts Neuland tritt erstmals öffentlich am 20. Dezember, 19.30 Uhr, im Kesselhaus der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 36 in Berlin, auf.
Gespielt werden vor allem Titel des Debüt-Albums "Made in Europe", zu 40 Prozent Instrumentaltitel und zu 60 Prozent mit Gesang.
Die MOZ verlost zwei Freikarten für das Konzert unter den Lesern, die heute zwischen 9.30 und 9.45 Uhr unter Tel. 03341 331450 anrufen.⇥js

